Buchbesprechung

Das göttliche Gesicht im Muschelseidentuch von Manoppello


Badde, Paul: Das göttliche Gesicht im Muschelseidentuch von Manoppello, erweiterte Neuausgabe, 384 Seiten, Smartcover, 16-seitiger Farbbildteil, Christiana-Verlag, Kisslegg 2011, ISBN 978-3-7171-1207-5, 12,80 EUR.

Manche unserer Leser werden wohl eine der Ausgaben dieses Buches von Paul Badde kennen gelernt haben (2005/2006/Taschenbuch 2007). Dass es in leicht erweiterter Fassung jetzt wieder auf dem Buchmarkt zugänglich ist, kann nur begrüßt werden im Interesse derjenigen, die es noch nicht kennen.
Ich will nur die wichtigsten Aspekte und Erkenntnisse skizzieren. Die Erzählkraft und das Element der Spannung lassen sich auf diese Weise natürlich nicht einfangen. Dazu muss man das Buch schon lesen.


In den italienischen Abruzzen wird von den Kapuzinern in Manoppello seit über 400 Jahren ein geheimnisvolles Tuch verwahrt (hinter Glas und gerahmt) – aus allerfeinstem Material, das ein Christusbild zeigt, das einzigartig ist und dem doch fast alle Christusbilder gleichen. Die Augen sind weit, der Mund ist leicht geöffnet. Es sind Schwellungen zu sehen, die von Schlägen herrühren müssen. Das Antlitz strahlt Ruhe aus. Je nach Beleuchtung erscheint das Bild in unterschiedlicher Farbigkeit oder verschwindet ganz.

Wie allmählich das Geheimnis dieses 17 x 24 cm kleinen Tuchs so weit entschlüsselt wurde, wie das Menschen möglich ist – an diesem Abenteuer lässt Badde seine Leser teilhaben.

Eine Schlüsselfigur ist die deutsche Ordensfrau Blandina Paschalis Schlömer, die seit Jahrzehnten zu diesem Tuch forscht und mit Erlaubnis ihrer Ordensoberen in Manoppello lebt. Eines ihrer wichtigsten Forschungsergebnisse: Das Bild von Manoppello entspricht in allen Proportionen und Abmessungen dem Porträt auf dem Grabtuch von Turin.

Eine zweite Schlüsselfigur ist Pater Heinrich Pfeiffer SJ, dessen Forschungen zu der Entdeckung geführt haben, dass das Tuch von Manoppello identisch ist mit dem Schleier der „Veronika“ in Rom, der vor mehr als 400 Jahren (wahrscheinlich 1527) aus dem Vatikan geraubt worden ist, was sorgfältig vertuscht wurde.

Und eine dritte Schlüsselfigur: Chiara Vigo aus Sardinien, die letzte lebende Byssus-Weberin, die das Material des Tuches von Manoppello eindeutig als Byssus = Muschelseide identifiziert hat. Es ist das einzige Gewebe, das helles Licht frei durchlässt. Es nimmt nicht die geringsten Farbpartikel auf. Folglich kann das Antlitz auf dem Schleiertuch nicht gemalt worden sein.

Schließlich Badde selbst als Schlüsselfigur: Er hat in der halben Welt recherchiert und u.a. nach Christusbildern gesucht, um sie mit dem Bild von Manoppello vergleichen zu können. Er führt zudem älteste Zeugnisse für seine These an, dass das Schleierbild die „Veronika“, die wahre Ikone ist, das Urbild aller Christusporträts. Es sei das Schweißtuch Christi, jenes zweite Tuch aus dem leeren Grab Christi, von dem das Johannesevangelium berichtet (20,5 – 7). Mit ihm wurde – wie bei jüdischen Begräbnissen üblich – das Gesicht des Toten vor dessen Begräbnis bedeckt. Nach Baddes sicherer Überzeugung haben wir auf dem Schleiertuch von Manoppello das lebendige Antlitz des Auferstandenen vor uns, ein erstes „Beglaubigungswunder“ der Auferstehung. Das Grabtuch von Turin und das Tuch von Manoppello seien „Wunderbilder“ – nur zu begreifen als „Neuschöpfungen Gottes“.

Badde weiß, dass es für diese Deutung keine mathematische Sicherheit geben kann, wohl aber ein Höchstmaß an Plausibilität, „eine Art moralischer Gewissheit“, die auch durch die Tatsache gestützt wird, dass ein Kosmos von Christusbildern von dem Schleierbild abhängt.

Dass Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch in Manoppello am 1. September 2006 sich nicht zur Deutung des Schleierbildes geäußert hat, kann nicht verwundern. Aber er ist gekommen, hat dort gebetet und zum Gedächtnis seines Besuches ein bewegendes Gebet verfasst, das er dem Rektor der Basilika von Manoppello 2007 „in dankbarer Erinnerung“ an seine Pilgerreise geschenkt hat.

Dieser Besuch des Papstes hat Badde bewogen, die Neuauflage seines Buches um einige Kapitel zu erweitern: um seine Reportage zum Papstbesuch vom 1. September 2006, um ein schriftliches Interview mit interessanten Informationen und um das Gebet des Papstes.

Jedem Kapitel ist ein aufschlussreiches Schwarzweißfoto vorangestellt. In der Mitte des Buches gibt es einen Block mit Farbfotos, die das „göttliche Gesicht“ in verschiedenen Beleuchtungen zeigen, außerdem Christusbilder, die den Vergleich mit dem „Urbild“ ermöglichen, sowie Dokumentationen.

Badde verschweigt nicht, dass Kritiker die Authentizität des Tuches von Manoppello als Schweißtuch Christi bezweifeln (wie auch die des Tuches von Turin als Grabtuch Christi) – bis hin zu totaler Ablehnung. Damit muss auch rechnen, wer dieses Buch an Gläubige oder Glaubenssucher verschenkt. Dann mag sich ein Gespräch ergeben, das vielleicht weiter führt.

Auf jeden Fall schenkt man sich selbst und anderen mit diesem Buch eine überaus spannende und lohnende Lektüre, die, wenn man sich darauf einlässt, im Innersten zu ergreifen vermag.

Was wäre, wenn wir wirklich ein wahres Bild des auferstandenen Christus hätten?

Tipp: Das Buch eignet sich auch hervorragend als Weihnachtsgeschenk.
Dr. Monika Born

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