Manche unserer Leser werden wohl eine der Ausgaben dieses
Buches von Paul Badde kennen gelernt haben (2005/2006/Taschenbuch 2007).
Dass es in leicht erweiterter Fassung jetzt wieder auf dem Buchmarkt
zugänglich ist, kann nur begrüßt werden im Interesse
derjenigen, die es noch nicht kennen.
Ich will nur die wichtigsten Aspekte und Erkenntnisse skizzieren. Die
Erzählkraft und das Element der Spannung lassen sich auf diese
Weise natürlich nicht einfangen. Dazu muss man das Buch schon lesen.
In den italienischen Abruzzen wird von den Kapuzinern in Manoppello
seit über 400 Jahren ein geheimnisvolles Tuch verwahrt (hinter
Glas und gerahmt) – aus allerfeinstem Material, das ein Christusbild
zeigt, das einzigartig ist und dem doch fast alle Christusbilder gleichen.
Die Augen sind weit, der Mund ist leicht geöffnet. Es sind Schwellungen
zu sehen, die von Schlägen herrühren müssen. Das Antlitz
strahlt Ruhe aus. Je nach Beleuchtung erscheint das Bild in unterschiedlicher
Farbigkeit oder verschwindet ganz.
Wie allmählich das Geheimnis dieses 17 x 24 cm kleinen Tuchs so
weit entschlüsselt wurde, wie das Menschen möglich ist –
an diesem Abenteuer lässt Badde seine Leser teilhaben.
Eine Schlüsselfigur ist die deutsche Ordensfrau Blandina
Paschalis Schlömer, die seit Jahrzehnten zu diesem
Tuch forscht und mit Erlaubnis ihrer Ordensoberen in Manoppello lebt.
Eines ihrer wichtigsten Forschungsergebnisse: Das Bild von Manoppello
entspricht in allen Proportionen und Abmessungen dem Porträt auf
dem Grabtuch von Turin.
Eine zweite Schlüsselfigur ist Pater Heinrich Pfeiffer
SJ, dessen Forschungen zu der Entdeckung geführt
haben, dass das Tuch von Manoppello identisch ist mit dem Schleier der
„Veronika“ in Rom, der vor mehr als 400 Jahren (wahrscheinlich
1527) aus dem Vatikan geraubt worden ist, was sorgfältig vertuscht
wurde.
Und eine dritte Schlüsselfigur: Chiara Vigo
aus Sardinien, die letzte lebende Byssus-Weberin, die das Material des
Tuches von Manoppello eindeutig als Byssus = Muschelseide identifiziert
hat. Es ist das einzige Gewebe, das helles Licht frei durchlässt.
Es nimmt nicht die geringsten Farbpartikel auf. Folglich kann das Antlitz
auf dem Schleiertuch nicht gemalt worden sein.
Schließlich Badde selbst als Schlüsselfigur:
Er hat in der halben Welt recherchiert und u.a. nach Christusbildern
gesucht, um sie mit dem Bild von Manoppello vergleichen zu können.
Er führt zudem älteste Zeugnisse für seine These an,
dass das Schleierbild die „Veronika“, die wahre Ikone ist,
das Urbild aller Christusporträts. Es sei das Schweißtuch
Christi, jenes zweite Tuch aus dem leeren Grab Christi, von dem
das Johannesevangelium berichtet (20,5 – 7). Mit ihm wurde –
wie bei jüdischen Begräbnissen üblich – das Gesicht
des Toten vor dessen Begräbnis bedeckt. Nach Baddes sicherer Überzeugung
haben wir auf dem Schleiertuch von Manoppello das lebendige Antlitz
des Auferstandenen vor uns, ein erstes „Beglaubigungswunder“
der Auferstehung. Das Grabtuch von Turin und das Tuch von Manoppello
seien „Wunderbilder“ – nur zu begreifen als „Neuschöpfungen
Gottes“.
Badde weiß, dass es für diese Deutung keine mathematische
Sicherheit geben kann, wohl aber ein Höchstmaß an Plausibilität,
„eine Art moralischer Gewissheit“, die auch durch die Tatsache
gestützt wird, dass ein Kosmos von Christusbildern von dem Schleierbild
abhängt.
Dass Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch in Manoppello
am 1. September 2006 sich nicht zur Deutung des Schleierbildes geäußert
hat, kann nicht verwundern. Aber er ist gekommen, hat dort gebetet und
zum Gedächtnis seines Besuches ein bewegendes Gebet verfasst, das
er dem Rektor der Basilika von Manoppello 2007 „in dankbarer Erinnerung“
an seine Pilgerreise geschenkt hat.
Dieser Besuch des Papstes hat Badde bewogen, die Neuauflage seines
Buches um einige Kapitel zu erweitern: um seine Reportage zum Papstbesuch
vom 1. September 2006, um ein schriftliches Interview mit interessanten
Informationen und um das Gebet des Papstes.
Jedem Kapitel ist ein aufschlussreiches Schwarzweißfoto vorangestellt.
In der Mitte des Buches gibt es einen Block mit Farbfotos, die das „göttliche
Gesicht“ in verschiedenen Beleuchtungen zeigen, außerdem
Christusbilder, die den Vergleich mit dem „Urbild“ ermöglichen,
sowie Dokumentationen.
Badde verschweigt nicht, dass Kritiker die Authentizität
des Tuches von Manoppello als Schweißtuch Christi bezweifeln (wie
auch die des Tuches von Turin als Grabtuch Christi) – bis hin
zu totaler Ablehnung. Damit muss auch rechnen, wer dieses Buch an Gläubige
oder Glaubenssucher verschenkt. Dann mag sich ein Gespräch ergeben,
das vielleicht weiter führt.
Auf jeden Fall schenkt man sich selbst und anderen mit diesem Buch eine
überaus spannende und lohnende Lektüre, die, wenn man sich
darauf einlässt, im Innersten zu ergreifen vermag.
Was wäre, wenn wir wirklich ein wahres Bild des auferstandenen
Christus hätten?